Hunde-Poesie.de
Geschichten, Gedichte, Sprichworte und Zitate rund um den Hund

 

Wir suchen Apala!

 

Der Alptraum eines jeden Hundesbesitzers: Mein Hund ist weggelaufen!
Wenn ich an dieses Erlebnis zurück denke, bekomme ich sofort Gänsehaut.

 

Am einem Mittwoch im November 2014 hatte ich Apala, meine Rhodesian Ridgeback Hündin, zu einer kleinen Zahn-OP bei einem hierfür spezialisierten Tierarzt angemeldet.
Nach dem Aufwachen aus der Narkose führte eine Tierarzthelferin Apala zum Pipi machen nach draußen in den nicht eingezäunten Vorgarten der Praxis. Dort hat sich Apala aus ihrem Halsband befreit und ist weggelaufen. Um 14 Uhr rief mich der Tierarzt an und teilte mir mit, dass mein Hund weg ist. Ich habe mich sofort ins Auto gesetzt und bin losgefahren. Schon während der Fahrt habe ich im Radio gehört, dass sich ein brauner Hund auf der zweispurigen, stark befahrenen Landstraße zwischen Eschborn und Kronberg aufhält. Mir ist ganz schlecht geworden, denn es war klar, das kann nur unsere Apala sein!

Apala ist an diesem Nachmittag immer wieder von Autofahrern auf dieser Landstraße gesichtet worden – diese Meldungen gingen bei der Polizei ein, die mich mehrfach angerufen und die Positionen durchgegeben haben. Leider war von Apala nichts zu sehen, wenn ich an den beschriebenen Stellen war. Mein Mann, meine Freundin und ich haben bis spät in die Nacht gesucht – leider ohne Erfolg.

In dieser Nacht haben wir an einer Tankstelle ein junges Pärchen getroffen, die uns angeboten haben ein Foto von Apala auf der ortsansässigen Facebook Seite zu veröffentlichen – mit diesem Posting hat sich die Nachricht unfassbar schnell verbreitet.

 

Tag 1, Donnerstag
 

Am nächsten Morgen riefen mich ganz viele Menschen an, die mir anboten Apala zu suchen und Flyer aufzuhängen. Ich hatte am Donnerstag Vormittag alle nötigen Tierheime, Behörden, Polizei, Tiermeldezentralen, etc. kontaktiert und im CopyShop 400 Flyer ausdrucken lassen. Auf meiner Facebook Seite hatte ich einen Treffpunkt für den Nachmittag veröffentlich, um von dort in kleinen Suchgruppen zu starten.

 Am diesem Tag waren wir nur insofern erfolgreich, dass wir viele Suchplakate aufgehängt haben – aber von Apala war keine Spur, keine Sichtungen, nichts...
 


Tag 2, Freitag
 

Für Freitag habe ich wieder einen Aufruf zum Suchen gestartet – mein verzweifelter Hilferuf nach Leuten die mich unterstützen, wurde über 200 x auf Facebook geteilt!

Bereits seit Donnerstag hatte meine Freundin Melanie die Koordination der Suchtrupps übernommen. Anhand einer Karte wurden die Gebiete von Tag zu Tag erweitert. Auf WhatsApp hatten wir eine Gruppe angelegt, in der alle Beteiligten sich über wichtige Nachrichten auf dem Laufenden hielten. Ich bin mit dem Lesen der Nachrichten gar nicht mehr nachgekommen und mein Telefon stand nicht mehr still!

 

 


Tag 3, Samstag
 

Bereits für 11 Uhr am Samstag war das nächste Treffen angesetzt.
Am ALDI Parkplatz in Eschborn bildete sich eine riesige Menschenmenge. Ich war völlig fassungslos, als ich in so viele fremde Augenpaare schaute, die alle freiwillig halfen, meine geliebt Hündin zu finden. Etwa 2/3 der Menschen habe ich vorher noch nie gesehen. Bei so viel Hilfsbereitschaft und emotionaler Unterstützung musste ich ständig weinen...

Alle waren voller Hoffnung und Zuversicht, dass wir Apala am Samstag finden. Es war ja schließlich der Tag, an dem sie vor 4 Jahren bei uns eingezogen ist (15.11.2010).
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir sehr viele Aktionen umgesetzt – hier ein kleiner Auszug:
•    über 1200 Flyer wurden aufgehängt,
•    1000 Flugblätter wurden an Passanten ausgehändigt,
•    Apalas Suchplakat war auf diversen Suchportalen im Internet veröffentlich worden,
•    in allen Zeitungen im Umkreis von 70km (Auflage: 700.000 Stück) hatten wir eine Anzeige geschaltet,
•    Drohnen haben aus der Luft versucht unsere Apala zu sichten,   
•    .... ich könnte die Liste der Aktivitäten noch fortsetzten!
Vom Tierrettungsdienst Duisburg/Köln und Umgebung hatten wir den Tipp bekommen eine Fährte zu legen. Wir kochten aus grünem Pansen, 2 Flaschen Maggi und 2 Gläser Rinderfond ein Konzentrat, welches mein Mann mit einer Druckspritze die ganze Strecke vom Tierarzt bis zu uns nach Hause (ca. 8 km) verteilte. Unser Haus und mein Mann stanken tagelang nach Pansen.

Die Tatsache, dass Apala seit über 84 Stunden weg war und es keine Sichtung gab, setzte uns allen massiv zu! Mit ALLE, meine ich ALLE. Nicht nur wir als Familie waren am Boden zerstört, auch die Helfer und die Menschen, die davon erzählt bekommen haben und für uns Ausschau nach Apala hielten, die Daumen gedrückt und Kraft geschickt haben, waren sehr betroffen.

Aus tiefster Verzweiflung schrieb ich ein Update an meiner FB Pinnwand. Dieses Update wurde über 900 Mal geteilt !!

 

Tag 4, Sonntag
 
Für Sonntag um 11 Uhr war das nächste Treffen angesetzt. Da die CopyShops Sonntags geschlossen haben, liefen die Kopiergeräte in den privaten Haushalten heiß. Melanie hatte einen genauen Plan, welche Gebiete am Sonntag abgelaufen und mit Suchplakaten gepflastert werden mussten.

Als ich am Sonntag zum besagten Treffpunkt kam, traute ich meinen Augen nicht: Die Anzahl der Helfer war auf fast 50 angestiegen. Die Anteilnahme und Hilfsbereitschaft war überwältigend.

Sonntag Nachmittag erhielt ich eine Info, dass im Radio die Autofahrer vor einem streunenden, braunen Hund am Nordwestkreuz (A5 / A66) bei Frankfurt
gewarnt wurden. Melanie schickte ein paar Helfer in diese Gegend (Frankfurt Rödelheim) mit der Bitte, auch dort noch einmal zu suchen und vermehrt Flyer aufzuhängen. Die Autobahnpolizei sagte mir, dass die Streifenwagen den braunen Hund auch öfter gesehen haben, ihn aber wieder aus den Augen verloren haben.

 

Tag 5, Montag

Montag morgen waren wir in Eschborn und haben bei dem Unternehmen, an dessen Eingang Apala zuletzt gesehen wurde, nachgefragt, ob jemand am Empfang einen Hinweis abgegeben hat einen streunenden Hund gesehen zu haben und ob sich Mitarbeiter auf die Email gemeldet haben. Leider nein. Die unheimlich netten Angestellten waren sehr betroffen und hilfsbereit und versprachen alles zu tun, um mögliche Hinweise in Erfahrung zu bringen. Mir wurde auch versichert, dass das Video Material gesichtet wird und ich umgehend informiert werde, sobald es News gibt.

Gegen Mittag fuhren Meike und ich in die Straße von der Tierarztpraxis und liefen dort noch einmal alles ab.

Mein Plan war, am Nachmittag nach Hanau zu fahren, um dort die Gegenden der Sichtung abzulaufen. Mein Mann war in irgendeiner Nacht bereits dort gewesen und Gismo, unser Rüde, war völlig aus dem Häuschen – daher dachte ich, ich versuche mein Glück auch noch mal.

Ich war eigentlich schon auf dem Weg dahin, also ich einen Anruf erhielt, das Apala am Sonntag am Nordwestkreuz gesichtet wurde / ca. 15.30 Uhr. Die Dame hat mir eine super detaillierte Beschreibung gegeben: A5, Flughafen im Rücken, Abfahrt A66 / Miquelallee, vor den zwei Brücken rechts oben im Gebüsch, zwischen den Sträuchern und Bäumen. Sie sagte auch Apala hatte einen Verband am Bein.

Ich hatte die Autobahnpolizei angerufen und gefragt ob ein Streifenwagen mit mir die Strecke abfährt. Leider waren alle Mitarbeiter im Einsatz. Ich sollte mich aber dort aufhalten, damit ich kurzfristig in ein Seifenwagen einsteigen kann.

Ich bin mit Sylvia, Weimaraner Hündin Chiva und Gismo zur Lorscher Straße. Dort haben wir die Autos abgestellt und sind zu Fuß weiter. Wir waren genau an der beschriebenen Stelle an der A5, oben in den Böschungen: es war laut und bedrohlich, haben unser eigenes Wort kaum verstanden und beschlossen sofort wieder zu gehen. Anschließend sind wir in Richtung Westerbach / Eschborn gelaufen.

Auf dem Rückweg sind wir an der Kelterei Possmann und der Frankfurt International School vorbei. Eigentlich wussten wir nicht wohin wir wollten... Wir sind einfach gelaufen und gelaufen...
Mehr oder weniger den Hunden Chiva und Gismo nach, die uns durch eine Brombeerhecke auf das US Army Gelände führten! Ein schrecklicher Ort, alles verlassen und zerstört. Wir durchquerten das Gelände, ständig mit der Angst, dass einer der Hunde in die Glassplitter tritt. Von Zeit zu Zeit habe ich gerufen und gepfiffen. Sind immer wieder stehen geblieben und haben gewartet. Als wir am Ende des Geländes waren und vom vielen Laufen etwas müde, haben wir beschlossen eine kleine Pause zu machen. Ich habe noch mal gerufen und gepfiffen und kurz darauf sagte Sylvia mit leiser aber erfreuter Stimme ‚...da ist sie, da ist sie – die Paliiiii – ich konnte es nicht glauben und fragte schwach "echt?" und drehte mich um da kam sie aus dem Gestrüpp gehumpelt...


Wedelnd stand sie vor uns!

Nach 122 Stunden der glücklichste Moment!

Wer jetzt denkt hier ist "Happy end", muss sich noch etwas gedulden. Uns trennte nämlich noch ein 3m hoher Maschendrahtzaun – zum Glück fanden wir ein Loch durch das ich steigen konnte. Ich kniete mich zu Apala hinunter und sie schleckte mich ständig ab und war immer noch ganz fleißig am wedeln. Ich legte ihr das Halsband/Leine an, nahm sie auf den Arm (sie war etwa 3 kg leichter, also 31/32kg) und kletterte mit ihr durch das Loch zurück. Gismo und Chiva waren total aus dem Häuschen – so wie wir auch!

 

 

Diese Glücksgefühle stehen bei uns im absoluten Vordergrund. Natürlich haben wir 1000 Fragen wieso dies, wieso jenes, wann und wo, und warum hat man sie so selten gesehen. Aber im Endeffekt ist es egal – denn es zählt nur eins: Apala ist durch die Hilfe von enorm vielen hilfsbereiten und herzensguten Menschen nach 5 Tagen und 2 Stunden in meine Arme gelaufen!!!

 

...dafür sind wir unendlich dankbar . Vielen, vielen Dank an ALLE die mitgeholfen und mitgefiebert haben! Wir werden an dieser Stelle nicht mehr weiterforschen oder spekulieren wie der genaue Ablauf war, da sich das final nicht rekonstruieren lassen wird und für uns unwichtig ist!

 

Zum Glück war Apala nicht schwer verletzt. Sie hatte einige große und kleine Schürfwunden, offene Ballen vom vielen Laufen, etwas Fieber und sehr stark abgenommen.
Vorsichtshalber wurde sie mit Antibiotika für ein paar Tage abgedeckt. Mittlerweile geht es ihr super und sie ist wieder unser „Happy Dog“. Der Hunger treibt sie immer wieder in die Küche, was aber nicht überraschend ist, denn sie war schon immer sehr verfressen ;-)

 

 

 

 

 

 

Ich erinnere mich an einen Satz von einer sehr netten Helferin – sie schrieb mir, nachdem ich Apala gefunden hatte folgendes:
"Mir kommt es so vor als ob ich Apala schon immer kenne. Dabei habe ich sie noch nie gesehen, nur gesucht ♥ "

 

Mit dieser Anzeige im gesamten Rhein-Main-Gebiet (Auflage 700.000) haben wir uns noch einmal bei allen Helfern herzlich bedankt und hofften, dass mittlerweile alle wussten, dass Apala wieder zu Hause ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachtrag:

Vielleicht fragen sich jetzt einige, was man aus so einem Erlebnis lernt...?!?
Ich folgendes:

  • sollte einer meiner Hunde jemals wieder eine OP haben, werde ich in der Praxis warten und mich nicht nach Hause schicken lassen. Ich werde außerdem darauf bestehen, dabei zu sein, wenn der Tierarzt das Gegenmittel spritzt. Mein Hund soll mich sehen können, wenn er die Augen öffnet. Sollte der Tierarzt meinen Wunsch nicht respektieren, ist er nicht der Richtige.
     
  • Wir haben Apala wieder gefunden, weil die Bevölkerung in einem großen Umkreis durch Suchplakate und Flugblätter informiert wurde und somit ein sehr großes Bewusstsein geschaffen wurde. Ohne die Tipps von Menschen, die wissen wie man in einer solchen Situation zu handeln hat und die Unterstützung von den vielen Helfern und Facebook/WhatsApp, wäre das nicht machbar gewesen.
     
  • Ich habe auch gelernt, dass mittlerweile viele Gegenden per WLAN Kameras überwacht werden. Die Sichtung dieses Videomaterial ist ebenfalls sehr hilfreich.

 

 

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