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Hund ohne Namen


Vor ein paar Jahren sah ich Dich das erste Mal. Du warst ein hübscher, junger Bursche voller Tatendrang, vielleicht 6 oder 7 Monate alt, wahrscheinlich waren Deine Eltern Schäferhunde. Dein Blick zeigte Abenteuerlust, Du nahmst Deine neue Aufgabe sehr ernst und vielleicht warst Du auch ein bisschen stolz, dass man Dir so viel Verantwortung gab, wo Du doch noch gar nicht ganz erwachsen warst.

Als wir das erste Mal an Dir vorbeigingen, hast Du noch neugierig und interessiert versucht an den Zaun zu kommen, um Fengari und Lakoma mal "Guten Tag" zu sagen. Sicher hätten auch die Mädels gern mal "Hallo" zu Dir gesagt, aber die neue blinkende Kette war nicht lang genug. Ich sah die Überraschung auf Deinem Gesicht, die sich in Frustration verwandelte, als wir weiter gingen und Du uns bellend zurückriefst.

Du warst ein sehr schöner Hund, Dein Fell glänzte, Deine Augen haben geleuchtet, Du warst stark, gesund und kräftig. In der Nacht durftest Du auf dem Hof herumlaufen, bestimmt warst Du sehr glücklich, wenn der Bauer Dir die Kette abnahm und Du endlich Deine Muskeln bewegen konntest.

Oft sah ich Deinen sehnsüchtigen Blick, wenn wir unsere Runden an Dir vorbei zogen und oft stellte ich mir vor, wie glücklich Du wärst, wenn Du mal Deine Gegend erkunden könntest, das Moos im nahen Wald riechen, zarte Grashalme von der Pferdewiese zupfen, ein Bad im Teich oder mal eine Krähe über's Feld jagen und den anderen Hunden Hallo sagen könntest. Aber das durftest Du nicht, Du hattest einen Job.

Dein Blick und Dein Aussehen veränderten sich, Dein Fell wurde struppig, Dein Blick gehetzt, immer öfter und immer länger hörte man Dein verzweifeltes Bellen. Schon lange warst Du nicht mehr freundlich und neugierig, wenn wir vorbei kamen.

Ich weiß noch, wie oft ich an Dich dachte, wenn es regnete und stürmte und Du traurig und frierend in Deiner Hütte saßest. Wenn ich dann zu Hause war und meine Hunde zufrieden und warm in ihren Körbchen lagen, dachte ich oft an Dich und fragte mich, ob Deine Hütte auch trocken ist, ob Du vielleicht frierst, ob der Bauer Dir etwas zu fressen gab.

Hast Du manchmal Angst gehabt, wenn es gedonnert, geblitzt und gestürmt hat? Hast Du Dich manchmal gefragt, wie die Welt hinter Deinem Hof aussieht, wenn der Frühlingswind Dir die Düfte der Welt zutrug? Bestimmt hast Du Dich oft nach einem Freund gesehnt, der Dir das wuschelige Fell zersaust und Dir sagt, was für ein lieber Kerl Du doch bist? Bestimmt hättest Du gern einen Kumpel gehabt, mit dem Du Deine einsamen Nächte teiltest.

Dein Bellen hat uns oft den ganzen Spaziergang begleitet und ich habe gehört, wie verzweifelt und traurig Du warst. Du wurdest älter, Deine Beine wurden steifer, ein magerer Hund bist Du geworden mit einem verfilzten Fell, oft warst Du heiser und Dein Gebell wurde leiser.

Heute Nachmittag sah ich, dass Deine Kette verlassen auf dem Hof lag, Du warst nicht mehr da…

Ich wünsche Dir eine schöne Reise ins Regenbogenland, Du Hund ohne Namen, mehr als jedem anderen, wünsche ich Dir, dass Du nun endlich erlebst, was es heißt, ein Hund zu sein. Tu endlich, was Du Dir immer gewünscht hast, lerne neue Freunde kennen, genieße den Wind, das Gras, Bäche und Bäume, tobe nach Herzenslust über weite Wiesen, genieße den Schlaf im Sonnenschein und einmal, nur einmal soll Dir ein Mensch sagen, wie sehr er Dich vermisst.

Du fehlst uns, Du Hund ohne Namen, wir werden Dich nie vergessen!

Gudrun, Fengari und Lakoma

 

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