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Hat der Hund eine Seele?

 

Kann ein Hund träumen? Nun, das hängt ganz allein davon ab, ob der Hundebesitzer sein geliebtes Tier wie einen Mitbewohner pflegt, oder draußen im Zwinger hält. Denn ein vom Mensch isoliertes Haustier, wird kaum seinem Herrchen oder Frauchen die Chance bieten, die entspannte Leichtigkeit des Seins zu präsentieren.

Mittlerweile haben Hunde einen Stellenwert in der sozialen Hierarchie der Besitzer erreicht, wo Außenstehende sich kopfschüttelnd fragen: ist das noch normal? Ein Hund … auf dem Sofa, im Schlafgemach oder in der Küche, da wo Herd und Kühlschrank stehen … und wo man auch hintritt, immer liegt das Tier im Weg. Die Liebe der Hundefans geht soweit, dass sie mit dem Tier ganz selbstverständlich reden … und geduldig auf eine Antwort warten. Wie dem auch sei, ein Hund, der sich der Vorzüge humaner Evolution und technischer Entwicklung bedienen darf, bedankt sich bei Frauchen oder Herrchen auf seine Art: er träumt, wenn er schläft. Dann zuckt er, knurrt mit geschlossenen Augen und zitterndem Maul, dann rast er in Höchstgeschwindigkeit und bleibt doch auf der Stelle liegen.

Es gibt genügend Momente, die uns Menschen immer wieder in Erstaunen versetzen, wie zum Beispiel folgende: Gerade noch haben meine Frau und ich einen harmonischen Spaziergang mit dem Vierbeiner beendet, schon platzt meiner besseren Hälfte der Geduldsfaden, weil ich mal wieder einen unpässlichen Kommentar zur Aufgabenverteilung in der Wohnung gab. Was macht der Hund? Er verzieht sich mit angelegten Ohren in die hinterste Ecke des am weitesten entfernten Zimmers und verharrt der Dinge, die da ausdiskutiert werden. Ist doch eine weise Entscheidung, oder? Doch damit nicht genug. Er überlegt sich offensichtlich, wie er als neutraler Schiedsrichter die Wogen glätten könnte und beschließt einzugreifen. Schwanzwedelnd aber vorsichtig, freudigstrahlend aber verhalten, nähert er sich mir, deutet Solidarität mit dem Unterdrückten an und fleht um Gnade bei meiner wild gestikulierenden Frau. Doch kaum wehre ich mich lautstark mit treffsicheren Argumenten, beginnt mein Hund Verrat und hat sich mir nichts dir nichts auf die Seite meiner Frau geschlagen, macht Sitz und schaut mich mahnend an. In gewissen Kreisen nennt man so was Opportunismus, aber wie kann ich da noch böse sein … auf den Hund oder meine Frau?

Neulich gab es eine Situation, die wohl jeder Mensch irgendwann mal erlebt hat, als mir fast zum Heulen war. Ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, aber ich war so dermaßen betrübt, dass mir die Tränen in den Augen standen. Mein lieber Hund erkannte sofort die Stimmung, tippelte auf mich zu und sprang auf meinen Schoß. Mit einem stoischen Blick fixierten seine sanftmütigen Knopfaugen mein Gesicht, dann signalisierte er mit einem Nasenstupser, dass er gestreichelt werden möchte. Es ist ein zärtliches Ritual, aber es hilft. Mein Hund hat mich getröstet in einem Moment der Traurigkeit.

Wer dieses Verhalten oder ähnliches erleben darf, wird unschwer feststellen: der Hund hat eine Seele. Vielleicht ist sie ist ihm eingehaucht - vom Menschen, im Laufe seines Hundelebens - vielleicht war sie schon immer da.

 

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