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KALLEMANN...... was so alles passiert


An
Tall Oaks Mr. Bodean

Amerika

 

Lieber Papa,

Du schreibst immer voller Bewunderung, was ich alles erlebe, dabei ist teilweise alles gar nicht so schön und lustig. Deshalb schreibe ich Dir heute mal, was so alles passieren kann:

Die erste Geschichte hat schon im letzten Sommer angefangen: Chico und ich haben erst gar nicht mitgekriegt, was Frauchen für eine Aufregung wegen uns hatte. Wir wohnen ja in einer Eigentumswohnung; und da wird jedes Jahr eine Eigentümerversammlung gemacht an der Frauchen meistens nicht teilnehmen kann, weil da zufällig die KTR-Mitgliederversammlung in Kassel stattfindet. Im April 1996 wurde von der Mehrzahl der Wohnungs-Eigentümer beschlossen, dass pro Wohnung nur noch ein Hund oder eine Katze gehalten werden darf. Frauchen hat dies erst im Protokoll mehrere Wochen später gelesen und nie daran geglaubt, dass das auch vorhandene Tiere betreffen könnte. Aber weit gefehlt: Kurz darauf kam ein Brief von der Hausverwaltung, in dem Frauchen mitgeteilt wurde, sie möge doch binnen 14 Tagen (!) die Anzahl ihrer Haustiere entsprechend reduzieren. Frauchen und eine Nachbarin mit zwei Schäferhunden dachten gar nicht daran und haben einen Anwalt eingeschaltet. Das Ganze ging ein paar Mal hin und her und endete im November mit einer Gerichtsverhandlung. Dort durften wir betroffenen Vierbeiner noch nicht mal mit! Lange Rede, kurzer Sinn: die Gegenparteien waren sich einig - nur der Richter war dagegen!!!! Nur mit Mühe konnte der Richter davon überzeugt werden, dass wir bleiben dürfen so lange wir leben. Das wäre ja noch schöner gewesen! Frauchen hat gesagt, eher wäre sie mit uns umgezogen, als einen von uns herzugeben! Frauchen musste für den Ärger auch noch so viele Leckerchen an den Anwalt bezahlen, dass sie davon noch einen Kumpel für uns hätte kaufen können!

Ja, und dann musste Frauchen mehrmals mit uns zum Tierarzt - das heißt, eigentlich nur mit dem Chico, aber weil ich daran nicht ganz unschuldig war, musste ich immer mit (dabei werde ich beim Tierarzt immer so schüchtern). Das erste Mal habe ich mich mit Chico um meine Freundin Sita geprügelt und ihm ein Loch ins Bein gebissen - ich glaube, das habe ich Dir schon geschrieben. Und vier Wochen später wurde Chico von einem Rhodesian Ridgeback auf dem Hundeplatz ins Ohr gebissen, dass es ganz heftig geblutet hat. Frauchen war ganz schön erschrocken. Am liebsten hätte ich bei der Prügelei auch noch mitgemischt, aber ich durfte nicht. Der Ridgeback hat an Chico's Hinterteil geschnuffelt und als Chico ihm gesagt hat, dass er das nicht möchte, hat er gleich Streit angefangen. Obwohl Chico gleich auf dem Rücken gelegen hat, wurde er doch noch kurz am Ohr erwischt. Es sah aus, als hätte man ihm mit der Schere dreimal reingeschnitten. Das wurde dann richtig rasiert und genäht.

Schon vor einigen Jahren habe ich Chico bei einer unserer Prügeleien um unsere Kauknochen aus Versehen am Auge erwischt, dass der untere Lidrand eingerissen war. Schon 10 Minuten später waren wir beim Tierarzt zum Nähen. Erst vor drei Wochen ist das letzte Unglück geschehen: Als ich Frauchen in der Wohnung hinterhergelaufen bin, habe ich nicht richtig aufgepasst, wo ich hintrete und bin aus Versehen über den schlafenden Chico gestolpert, der sofort wie eine Hyäne auf mich los ist. Ich fand das ziemlich ungerecht - das kann doch mal passieren - und habe mich deshalb heftig gewehrt. Aus Vorsicht und Erfahrung guckt Frauchen anschließend immer genau, ob wir verletzt sind: diesmal sind wir so heftig mit den Zähnen aneinandergeschlagen, dass dem Chico einer seiner unteren Schneidezähne abgebrochen ist. Irgendwie finde ich ja, es geschieht ihm recht, aber Frauchen war ganz schön sauer. Weil der Nerv vom Zahn offen lag und der Rest auch noch gesplittert war, musste er auch noch gezogen werden. Frauchen sagt, Chico sieht jetzt aus wie ein Erstklässler. Zufälligerweise ist das der gleiche Zahn gewesen, der mir vor genau einem Jahr ausgefallen ist, als ich beim Gassi gehen Schneeklümpchen mit Steinen darin von meiner Pfote kniepeln wollte. Jetzt gehen wir unfreiwillig im Partnerlook.

Aber am wütendsten habe ich Frauchen erlebt, als die Sache mit den Wellensittichen passiert ist: Frauchen hatte zwei ihrer Wellensittiche in einen Extra-Käfig in die Küche gesperrt, weil die sich mit den anderen so oft gestritten haben. Die zwei in der Küche haben jedoch heftig in dem kleineren Käfig randaliert, weil sie wieder zu den anderen wollten. Nach drei Tagen haben sie so heftig an den eingehängten Futterschälchen gerüttelt, dass die rausgefallen sind und die zwei Wellensittiche sind durch das Loch rausgeflogen. Weil die sich in der Küche nicht ausgekannt haben und völlig untrainiert sind, haben sie nach kurzer Zeit keine Luft mehr gekriegt und mussten auf dem Boden landen. Chico und ich sind sofort hin und wollten sie aufheben. Die beiden haben vor Angst so laut gepiept, dass wir vor Schreck viel fester zugebissen haben, als wir wollten. Dabei wollten wir doch nur helfen und die beiden wieder zum Käfig tragen! Vor Schreck haben die auch noch ganz viele Federn verloren! Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte, damit das nicht gleich auffällt, wenn Frauchen heimkommt und da habe ich den einen aufgefressen. Natürlich habe ich später so getan, als wüsste ich von nichts. Sicherheitshalber sind wir unter dem Tisch sitzen geblieben, als Frauchen nach Hause kam. Aber es lagen so viele Federn rum, dass sie es gleich gesehen hat. Seitdem glaubt Frauchen auch an ein schlechtes Gewissen von uns Hunden. So viel Schimpfe haben wir von Frauchen noch nie gekriegt wie da, und sie hat den ganzen restlichen Tag kein einziges Wort mehr mit uns gesprochen! Ich habe schon gedacht, sie hat uns nie wieder lieb. Aber nachts durfte ich dann doch wieder in ihrem Bett schlafen. Ich habe mich auch sehr unauffällig verhalten. Peinlich wurde das Ganze auch noch am nächsten Morgen, als in meinem Häufchen gelbe Federn zu sehen waren!

Am letzten Silvester-Abend habe ich Frauchen einen ganz schönen Schrecken eingejagt: Sie ist mit uns zwei Stunden vor Mitternacht nochmal Gassi gegangen, damit wir vor der Knallerei später nicht so erschrecken. Gerade als ich mir im Park ein Plätzchen für mein Häufchen suchen wollte, war ganz laut das Zischen von zwei Raketen zu hören. Ich bin so erschrocken, dass ich alles eingekniffen und einen Riesen-Satz zu Frauchen gemacht habe. Sie hat gesagt, ich solle mich nicht so anstellen und tat als wäre nichts gewesen! Als ich gemerkt habe, dass sie mich nicht trösten wollte, habe ich mich umgedreht und wollte schnurstracks nach Hause laufen. Frauchen kam im Sturmschritt hinterher und hat mich an der Hauptstraße gerade noch eingeholt. Sie hat mit mir geschimpft und war trotzdem froh, dass gerade mal kein Auto kam. Daran habe ich gar nicht gedacht, daß mich ein Auto platt fahren könnte! Wir haben uns dann zwar wieder versöhnt, aber ein Häufchen habe ich trotzdem nicht mehr gemacht.

Ja, und dann gibt es noch so lustige Sachen (für mich jedenfalls) wie die, wenn der dusselige Chico beim Rennen nicht richtig hinguckt wo er läuft und auf der Wiese in ein Loch tritt, dass er mit der Schnauze auf den Boden aufschlägt. Einmal hat er sich dabei tatsächlich so weh getan, dass er tagelang gehumpelt ist. Wenn mir der Boden vor mir nicht geheuer ist, mache ich einen großen Satz und springe einfach drüber!

Da der Chico auch immer so viel Hunger hat, dass er alles frisst, was er unterwegs findet, muss er einmal was falsches erwischt haben. Zuhause hat er sich zum Ausruhen unter den Tisch gelegt und geschlafen und als er wieder aufstehen wollte, ist er ganz schwankend gelaufen! Frauchen hat gesagt, er hätte Gift gefressen. Auch hier musste er vom Tierarzt eine Spritze bekommen.

Ist Dir aufgefallen, dass ich zwar meistens beteiligt bin, aber selten eine Schramme abbekomme? Ich bin halt doch schnell und gewitzt und kann den langsamen Chico oft austricksen!

Du siehst, es ist doch nicht alles so rosig, wenn man so viel erlebt wie ich.
Was für schlimme Sachen passieren denn bei Dir so in Amerika?

 

Dein

KALLEMANN

 

 

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SchwachSuper